Expo.02 spielt mit den Identitäten
Der Bund 28.6.02

1. AUGUST / Mit oder ohne Schweizer Fahne? Die Expo.02 stärkt der Theatergruppe 400asa den Rücken, die an ihrem 1.-August-Festspiel keine Schweizer Kreuze haben will. Trotzdem soll der Nationalfeiertag festlich begangen werden - mit Fahnen aus dem In- und Ausland.• CHRISTIAN PAULI«Wir nehmen diesen Feiertag ernst.» Mit diesen Worten hat die Expo.02 gestern ihr Konzept für den 1.August vorgestellt: Sie vermarktet den Nationalfeiertag als Spezialtag, mit einem speziellen Musikprogramm, einem breiten Marketing, einem Spezialeintrittspreis und dem Theaterstück «august02-août02-agosto02-avust02», das die Berner Theatergruppe 400asa nach der Rede von Bundesrat Samuel Schmid auf der Arteplage Biel inszenieren wird.

Martin Heller, der künstlerische Leiter, sagt: «Für mich ist die Feier ein Rehabilitierungsversuch.» Die 1.-August-Feiern seiner Kindheit seien ihm in «dumpfer Erinnerung». Darum will die Expo.02 ein «schweizerisches und multikulturelles Fest», eines, das «den Reichtum der Schweiz und der ausländischen Bevölkerungsgruppen» zeige. Es gehe um nichts anderes als um «unsere Identität», sagt Heller, «oder besser und aktueller: um unsere Identitäten, im Plural». Fahnen aus der ganzen Welt sollen das am 1. August auf der Expo.02 illustrieren.

Wasserfallen kontra 400asa

Mit oder ohne Schweizer Fahne? Kurz nach Eröffnung bedurfte es eines Machtwortes von Franz Steinegger, dem Präsidenten des Steuerungskomitees: Flaggen her! Die Expo.02 reagierte mit einer «Umtauschaktion», die gebrauchte Fahnen gegen neue auswechselte. Die so zwangspensionierten Fahnen wurden auf der Arteplage Biel in einen der drei Türme gehängt. Der Debatte zweiten Teil lancierte Lukas Bärfuss, Theaterautor für 400asa. «Wir werden keine Schweizer Fahnen dulden», sagte Bärfuss im «Bund» vom 22.Juni und kündigte ein «anti-nationalistisches» Stück an. Das brachte Berns Polizeidirektor und FDP-Nationalrat Kurt Wasserfallen auf den Plan, der mit sicherem Gespür für seine Klientel vom Bundesrat die Absetzung des 400asa-Stücks verlangte.

Bärfuss Kollege Samuel Schwarz doppelte gestern nach: «Die Fahne am Stehpult von Samuel Schmid werden wir abhängen. Das ist ein theatralischer Akt, der uns quasi geschenkt wird.» Im Stück gehe es um die «Beweisführung, dass das Schweizersein nur ein Verwaltungsakt ist». Das Stück richte sich auch gegendas modische Phänomen der «Swissness». Für Schwarz ist das nur «Lifestyle, der unter dem Schein von Coolness Patriotismus betreibt».

Neuestes Beispiel der Expo-Bemühungen um die Schweizer Identität: Am Samstag hat in Murten «Black Tell» Premiere, eine «Soap-Opera», die eigens für die Landesausstellung geschrieben wurde. Im Stück rappt ein schwarzhäutiger DJ als Willhelm Tell Schweizer Volkslieder und erntet unerwarteten Erfolg.

 

zurück


  Abb. 1