PRESSEARCHIV

"CH-ROCK" - BASLER ZEITUNG, 25.9.2004

Spiel mit den Klischees
"CH-Rock" von 400asa im Fabriktheater Zürich

Marc Krebs

Eine Parodie auf die helvetische Rockszene liefert die freie Theatergruppe "400asa". Ihr Stück "CH-Rock" ist verspielt, unterhaltsam und zu lang.

Am Eingang werden Gehörpfropfen verteilt. Es könnte laut werden. Muss aber nicht. Die Stühle sind noch aufeinandergestapelt. Es darf gesessen werden. Muss aber nicht. Getränke reinnehmen? Auch das ist erlaubt. Alles klar. Der Titel "CH-Rock" ist Programm, das Fabriktheater an diesem Abend ein Rockschuppen und ein konventionelles Stück nicht die Absicht. Die Zuschauer entscheiden sich für Bier und Sitzplatz. Richtige Wahl. Denn so glanzvolle Momente die neue Produktion der freien Theatergruppe "400asa" auch haben mag: sie ist zu lang.

Satire

Die Geschichte ist klassisch: Sie erzählt vom Aufstieg und Fall einer Rockgruppe. Rob Reiner hat 1984 mit "Spinal Tap", einem Film über eine fiktive Hardrock-Band, bereits die perfekte Satire zu diesem Thema geliefert. Eine solche "Mockumentary" bringen "400asa" auf die Bühne, versprechen dabei im Pressetext, auf die Suche nach dem Geheimnis des CH-Rock zu gehen. Anders gesagt: Sie versuchen sich an einer Schweizer Bühnenversion von "Spinal Tap", "Bad News", "The Rutles", garniert mit Anspielungen auf Krokus, Kleenex oder Züri West, aber auch Robert Johnson oder The Cure.

Das Spiel mit den Klischees - es ist auch in "CH-Rock" für Lacher gut. Wunderbar etwa, wie Wanda Wylowa als Punk die 80er-Szene seziert, prächtig auch, wie Samuel Schwarz als Rocksänger Friedli sich von Luzifer ins Gewissen reden lässt. Ganz zu schweigen von Interaktionen mit der Tontechnik, seien es O-Töne eines Chronisten oder eines Produzenten, der dem gefallen gewordenen Friedli mit einer Rap-Nummer zum Comeback verhelfen will. Friedli landet in der teuflischen Klapsmühle, seine Nachfolge tritt eine als männlicher Punk getarnte Frau an, die sich zur erfolgreichen Diva wandelt. "CH-Rock" landen auf der Mainstreamschiene und im Zuge dessen auf einem Kinderlieder-Sampler. Wer dabei nicht an Vera Kaa oder Boni Koller denken muss?

Überlänge

Zum Schluss dann das unvermeidliche Reunion-Konzert mit dem besessenen Friedli. Dabei wirds ungewollt realistisch. Reunion-Konzerte sind oft überflüssig. Auch jenes im Stück. Die Dramaturgie schlafft nach einem Lied über die weibliche Ejakulation ab. Auf den Höhepunkt folgt die Müdigkeit. Das Ensemble, das das Stück zusammen mit Urs Bräm geschrieben hat und auch selber Regie geführt hat, hätte gut daran getan, sich die letzten 30 Minuten des 2-Stunden-Programms zu schenken. Schade um die feinen Ideen und Texte, die - gebündelt und gestrafft - ein Knaller hätten sein können.

 


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