PRESSEARCHIV

"CH-ROCK" - AARGAUER ZEITUNG/SDA, 25.9.2004

Wars ein Theaterstück oder doch ein Konzert?
Uraufführung 400 ASA in der Roten Fabrik in Zürich
Auch auf ihrer jüngsten Expedition bleibt die freie Truppe von 400 ASA sich selber und ihren Mitteln treu.

Beat Sterchi

Zuletzt haben sie mit «Hob(b)y-hamlet und «B» Aufsehen erregt. In Letzterem geht es um die mediale Aufbereitung des tragischen Schicksals von Silvano Beltrametti. Dessen Anwälte haben weitere Aufführungen einstweilen verhindert. Ebenso unschweizerisch direkt und schonungslos zelebriert 400 ASA in ihrer neusten Expedition das Ende der Geborgenheit in der CH-Rockmusik. Wie bei wirklichen Expeditionen üblich, ist das Erreichen eines bestimmten Zieles nicht gewährleistet.

Angekündigt ist ein sensationeller Live Act. Das ist es auch. 400 ASA tritt so überzeugend als Rockband auf, dass danach unklar bleibt, ob ihr Act nun ein Theaterstück oder doch ein Konzert war. Eher erzwungen als gesungen kommen die ersten «Söngli» daher, Samuel Schwarz als Sänger Friedli zelebriert darin frech und neu formuliert das alte Leiden an Enge und Biederkeit, woran wie alles andere in dieser «Huereschwyz» auch die Rockmusik im allgemeinen und die «CH-Rockband» im Besonderen zugrunde geht.

Schon bald haut aber Drummer Michael Sauter in die Pfannen, dass die Funken sprühen. Die beklagte Enge wird wenigstens auf der Bühne gesprengt. Konventionen werden pa- rodiert, Musik wird zitiert, die Rappergruppe LDeep schickt viele Grüsse. Stellungnahmen werden provoziert.

Wie auf den technisch hochgerüsteten etablierten Bühnen bedient sich 400 ASA auch hemmunglos der Technik. Ohne Elektronik kein Theater. Hier geschieht es jedoch mit viel Witz und viel Ironie.

Ruine aus Schattenbildern

Da werden Abgänge von der Bühne mit der kleinen Handkamera bis in die Garderobe verfolgt und auf vier einfache Papierbahnen gebeamt. Das Papier wird später effektvoll aufgeschlitzt. Plötzlich beeindrucken überdimensionale Schattenbilder, die sich gleich zu einer vieldeutigen Ruine wandeln. Rauch steigt auf wie nach einem Bombenkrieg, aber es wird weitergesungen im kleinen goldenen Kleidchen und gespielt von einer traurigen Band in einem traurigen Land.

 


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