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Improvisieren ist Trumpf
400asa machte mit dem Expo-"Affentheater" von sich reden und gehört zu den originellsten Erfindungen, seit es freies Theater gibt. Freitag und Samstag war die Gruppe in der Reitschule zu Gast. Eine Sternstunde in Sachen intelligente Theaterpersiflage.
Der Titel "Hob(b)yhamlet behält zwar seine Zürcher Schlagseite bei - die von Jean-Pierre Hoby geleitete Zürcher Präsidialabteilung unterstützt 400asa im Sinne eines Experimentiertheaters. Aber Samuel Schwarz bemüht sich in einer imposanten Einlage in höchsten Falsetttönen um den für eine "Berner Fassung" notwendigen Bezug zur Bundesstadt. Zürich versuche das freie Theater mit seiner Förderungspolitik zu vereinnahmen, aber zumindest besitze es ein Kulturleitbild, während Bern nicht einmal ein Konzept habe - von der Berner Theaterkritik und vom (immerhin durch den Schauspieldirektor in spe Stefan Suske vertretenen) Stadttheater ganz zu schweigen...
Ein lustiger Kneipenabend
Es gab viel zu schmunzeln und zu lachen in dieser aberwitzigen Hamletparodie, die man sich so vorstellen muss, als kämen an einem ausgelassenen Abend in einer gemütlichen Kneipe ein paar arbeitslose Schauspieler auf die Idee, Hamlet zu spielen. Was, gecoacht und kommentiert durch Iris Zantop, die den Text auch ganz allein geschrieben hat, von Philipp Stengele, Philippe Graber und Kaspar Weiss als eine Art chorisches Trio gemeinsam unternommen wird, während Frank Heierli mit der Gitarre den Sound beisteuert und Pilu Lydorw und Sarah Jaggi als Serviertöchter ihren Senf dazugeben. Wobei die drei hinter einem Wirtshaustisch sitzenden Hamlete nicht nur den Dänenprinzen, sondern je nachdem auch Hamlets Mutter, den Stiefvater und die selbstbewusst-schlagfertige Ophelia zu mimen haben, während Iris Zantop den Geist von Hamlets Vater spielt und auch Samuel Schwarz immer wieder zum Vorschein kommt, eine Art Kabarettnummer hinlegt oder seine Regiearbeit kommentiert.
Die Arbeitsweise einer Rockband
Und dieser Regie gelingt durchaus etwas, was nicht leicht hinzukriegen ist und was die Thease aus dem neusten 400asa-Manifest, der Schauspieler müsse selbst zum Autor werden und das Spiel müsse die Arbeitsweise einer Rockband annehmen, durchaus als durchführbar erscheinen lässt. Was das hervorragend aufeinander abgestimmte Ensemble tut, verliert nämlich in den drei Stunden Spielzeit nicht ein einziges Mal den Charakter des Improvisierten und spontan Umgesetzten. Es mag mehr Kabarett als Theater dabei herauskommen, aber man folgt den witzig-grotesken Einfällen mit grossem Vergnügen, empfindet die (seltenen) Kostproben aus dem wirklichen Stück als besonderes Geschenk, freut sich an Marthaler- und Schlingensief-Parodien und ist sogar ein wenig gerührt, wenn unversehens ein melancholisches Lied sich zur Supertramp-Persiflage (sic) formiert. Sie wollten sich "auf die Vorzüge des freien Schaffens und ihre ganz eigene dramaturgiefreie und kollektive Art des Produzierens konzentrieren", heisst es im 400asa-Manifest. Was man im Tojo der Reithalle an einem Beispiel vorgeführt bekam, das gleichzeitig eine Sternstunde in Sachen intelligente und abgründige Theaterpersiflage bedeutet.
Charles Linsmayer
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