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DIE ERFINDUNG DER SCHNELLIGKEIT
Uraufführung des Dramolettes "Othello" in Hamburg
Von Willy Theobald, Hamburg
Shakespeare, Othello, Orson Welles, Lukas Bärfuss, Samuel
Schwarz gibt es da Unterschiede ?
Am Mittwochabend zeigte das Thalia Theater das Dramolett "Othello"
in der Fassung des Schweizer Autors Lukas Bärfuss. Die Inszenierung
die sich der stilistischen Klammer von Filmdreharbeiten
bediente war verwirrend, überraschend und ausgesprochen
amüsant. Das Ensemble um Regisseur Samuel Schwarz, das vorgab,
einen Film drehen zu wollen, überführte das Mohrendrama
in eine Mixtur aus vertontem Stummfilm, Orson Welles-Hommage,
Comedy, Dadaismus und hochklassigem Schülertheater. Verfolgt
von Kameramann, Toningenieur und Technikern bis zum Betreiber
einer Nebelmaschine, spielten die Akteure Shakespeare in bislang
unbekannter Interpretation.
Roderigo, der sich durch Umbinden eines Schnauzbarts auch als
Cassio zu erkennen gab (Ingo Heise) zeigte schon in seiner Einleitung,
wo es langging : "Scheren Sie sich zum Teufel, wenn sie sich
langweilen bezahlt haben Sie ja schon" raunzte er
das Publikum an. Desdemona (Patricia Ziolkowska) dagegen, wirkte
zart und zerbrechlich wie Sisi in einem Heimatfilm. Das dramatische
Mittel der Uebertreibung, beherrschten die Akteure bis in die
letzte Nuance. So liess die Sprechgeschwindigkeit der ersten Akte
die Hitparaden-Moderation von Dieter Thomas Heck in den 70'er
Jahren weit hinter sich. Trotz oder gerade wegen rollender Augen,
dicker Schminke und schauspielerischer Leistungen jenseits von
Gut und Böse : Wir wollen mehr.
Wertung: *** (ausgezeichnet)
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