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OTHELLO - Financial Times - 7.12.2001

DIE ERFINDUNG DER SCHNELLIGKEIT
Uraufführung des Dramolettes "Othello" in Hamburg
Von Willy Theobald, Hamburg

Shakespeare, Othello, Orson Welles, Lukas Bärfuss, Samuel Schwarz – gibt es da Unterschiede ?
Am Mittwochabend zeigte das Thalia Theater das Dramolett "Othello" in der Fassung des Schweizer Autors Lukas Bärfuss. Die Inszenierung – die sich der stilistischen Klammer von Filmdreharbeiten bediente – war verwirrend, überraschend und ausgesprochen amüsant. Das Ensemble um Regisseur Samuel Schwarz, das vorgab, einen Film drehen zu wollen, überführte das Mohrendrama in eine Mixtur aus vertontem Stummfilm, Orson Welles-Hommage, Comedy, Dadaismus und hochklassigem Schülertheater. Verfolgt von Kameramann, Toningenieur und Technikern bis zum Betreiber einer Nebelmaschine, spielten die Akteure Shakespeare in bislang unbekannter Interpretation.

Roderigo, der sich durch Umbinden eines Schnauzbarts auch als Cassio zu erkennen gab (Ingo Heise) zeigte schon in seiner Einleitung, wo es langging : "Scheren Sie sich zum Teufel, wenn sie sich langweilen – bezahlt haben Sie ja schon" raunzte er das Publikum an. Desdemona (Patricia Ziolkowska) dagegen, wirkte zart und zerbrechlich wie Sisi in einem Heimatfilm. Das dramatische Mittel der Uebertreibung, beherrschten die Akteure bis in die letzte Nuance. So liess die Sprechgeschwindigkeit der ersten Akte die Hitparaden-Moderation von Dieter Thomas Heck in den 70'er Jahren weit hinter sich. Trotz oder gerade wegen rollender Augen, dicker Schminke und schauspielerischer Leistungen jenseits von Gut und Böse : Wir wollen mehr.

Wertung: *** (ausgezeichnet)


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