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"Othello" auf pornographisch
Erster Drehtag für "Othello - Ein Blue Movie"
im Neuen Cinema: Samuel Schwarz (Regie) und Lukas Bärfuss
(Buch nach Shakespeare) kündigen die Film-Theater-Produktion
eines Pornos an, wenden aber das Eifersuchtsdrama ins Anti-Kriegs-Pamphlet.
Türkenkiller Othello (Philipp Stengele), längst blind
für Liebe und Wahrheit, nimmt die Lügen Jagos (erstklassig:
Thomas Kügel) für Soldatenehrlichkeit, zieht noch im
Bett zu Felde gegen die eigene Frau Desdemona (Patrycia Ziolkowska).
"Venceremos!" Die revolutionäre Freiheitsparole
pervertiert bei Pokerface Jago zum Schlachtruf.
Sie drehen einen Film und machen doch Theater. Im Prolog fordert
der Regisseur - in Gestalt von Schauspieler Ingo Heise - die Kritiker
auf, sich doch zu verpissen. Koketterie pur. Aus dem Spass am
Studio-Set wird Ernst gemacht. Durch das Kamera-Objektiv schärft
sich des Zuschauers Blick auf den seelenlosen Automatismus der
zu Kriegsmaschinen mutierten Männer. Ihr dandyhaft-verführerisch
Äußeres (stummfilmhafte Schminke, Spitzenhosen) kaschiert
zynisch die mordkalte Leere im Inneren. Beim Tötungsgewerbe
zu ausgebrannten Nutten geworden, sind ihnen auch alle Frauen
Huren. "Liebe" artikulieren sie nur mehr auf dem Nullgefühlspegel
der Porno-Rede.
Dennoch bleibt Bärfuss im Dramolett nah an Shakespeares Figuren
und Plot, fängt Schwarz die Stimmungen des Dramas im Drehvorgang
ein - ironisch gebrochen durch Filmzitate. Welles "Othello"-Movie
muss ebenso herhalten wie der Hitchcock-Thriller "Die Vögel".
Ganz offensichtlich knüpft das Produktions-Team bei John
Jesuruns kinematographischem Theater an. Dort agieren die Darsteller
mit dem eigenen Videobild, rattern blitzschnell Text herunter.
Ein Mündungsfeuer aggressiver Wortsalven eröffnet auch
dieses theatrale Film-Spektakel, das ohne Betroffenheitsgestus
mit grimmigem Scherz ins Schwarze trifft. (-itz)
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