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OTHELLO - Hamburger Morgenpost - 7.12.2001

OTHELLO BRAUCHT KEINE SCHUHCREME

Im neuen Cinema läuft ein Klassiker als BLUE MOVIEDa steht einer auf der Bühne und behauptet, er sei Samuel Schwarz, der Regisseur, und sagt : "Wir finden, das, was wir machen, spannend. Wenn Sie sich langweilen, dann gehen sie einfach." Dann versichert er noch, dass das keine Publikumsbeschimpfung sei. Schliesslich stellt sich heraus : Der Mann ist gar nicht der Regisseur, sondern ein Schauspieler, Ingo Heise.

Was ist Wahrheit, was ist Lüge. Ein uralte Frage in einem uralten Stück: "Othello" von uralten Shakespeare. Der junge Schweizer Lukas Bärfuss hat danach ein junges Dramolett verfasst. Sein Landsmann Samuel Schwarz ist dabei, das Ding frank und frei vom Theater weg zu verfilmen – unter dem Titel "Othello – ein Blue Movie." Und wir sind live dabei, wenn sich der Film im neuen Cinema von Aufführung zu Aufführung entwickelt.

Fixe Jungs und Mädels sind in der Gruppe um Samuel Schwarz – mit Lust am Spiel und an der Irritation. Sie bringen die Geschichte des "schwarzen Generals" recht werkgetreu, aber schlicht, ohne viel Dekorationen. Ein paar Tücher, zwei rollende Stellwände, eine Nebelmaschine. Wind wird per hand gefächelt, Illusion gibt es hier nicht. Es wird ein Film gedreht. Theater fällt nur nebenbei ab. Und auch wieder nicht, der ganze Dreh schweint Theater. Philipp Stengeles Othello kommt ohne schwarze Schuhcreme aus. Figur und Haltung erinnern an Orson Welles – der drehte in den 50´er Jahren ebenfalls einen "Othello"- Film. Kameramann Alexander Grasseck tanzt auf der Bühne um ihn herum, geht nahe ran. Ausgeleuchtet wird die Szene von einem Handscheinwerfer, manchmal nur von einer Taschenlampe. Für Theaterfans die reine Freude ist Thomas Kügel als Jago. Lakonisch treibt er die Intrige voran. Patrycia Ziolkowskas Desdemona ist die Unschuld schlechthin. Das Team Bärfuss/Schwarz hat mit Minimalismus und Witz ein Spiel auf die Bühne gestellt – ein Spiel mit Theater und Film in den Köpfen des Publikums.

Susann Oberacker


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