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OTHELLO BRAUCHT KEINE SCHUHCREME
Im neuen Cinema läuft ein Klassiker als BLUE MOVIEDa steht
einer auf der Bühne und behauptet, er sei Samuel Schwarz,
der Regisseur, und sagt : "Wir finden, das, was wir machen,
spannend. Wenn Sie sich langweilen, dann gehen sie einfach."
Dann versichert er noch, dass das keine Publikumsbeschimpfung
sei. Schliesslich stellt sich heraus : Der Mann ist gar nicht
der Regisseur, sondern ein Schauspieler, Ingo Heise.
Was ist Wahrheit, was ist Lüge. Ein uralte Frage in einem
uralten Stück: "Othello" von uralten Shakespeare.
Der junge Schweizer Lukas Bärfuss hat danach ein junges Dramolett
verfasst. Sein Landsmann Samuel Schwarz ist dabei, das Ding frank
und frei vom Theater weg zu verfilmen unter dem Titel "Othello
ein Blue Movie." Und wir sind live dabei, wenn sich
der Film im neuen Cinema von Aufführung zu Aufführung
entwickelt.
Fixe Jungs und Mädels sind in der Gruppe um Samuel Schwarz
mit Lust am Spiel und an der Irritation. Sie bringen die
Geschichte des "schwarzen Generals" recht werkgetreu,
aber schlicht, ohne viel Dekorationen. Ein paar Tücher, zwei
rollende Stellwände, eine Nebelmaschine. Wind wird per hand
gefächelt, Illusion gibt es hier nicht. Es wird ein Film
gedreht. Theater fällt nur nebenbei ab. Und auch wieder nicht,
der ganze Dreh schweint Theater. Philipp Stengeles Othello kommt
ohne schwarze Schuhcreme aus. Figur und Haltung erinnern an Orson
Welles der drehte in den 50´er Jahren ebenfalls einen
"Othello"- Film. Kameramann Alexander Grasseck tanzt
auf der Bühne um ihn herum, geht nahe ran. Ausgeleuchtet
wird die Szene von einem Handscheinwerfer, manchmal nur von einer
Taschenlampe. Für Theaterfans die reine Freude ist Thomas
Kügel als Jago. Lakonisch treibt er die Intrige voran. Patrycia
Ziolkowskas Desdemona ist die Unschuld schlechthin. Das Team Bärfuss/Schwarz
hat mit Minimalismus und Witz ein Spiel auf die Bühne gestellt
ein Spiel mit Theater und Film in den Köpfen des Publikums.
Susann Oberacker
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