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Die Rache der schönen Äffin
Menschen, die sich lieben, setzen alles daran, sich gegenseitig zu
benachteiligen. Besonders auffällig entziehen sich Kulturtäter
dem Verdacht der Vetternwirtschaft, indem sie ihre talentierten Geliebten
diskriminieren, die Karrieren ihrer Ehepartner behindern und die künstlerische
Selbstverwirklichung ihrer Bettgenossen sabotieren. Als wäre kreative
Inzucht noch krimineller als sexueller Missbrauch.
Die Jazzsängerin Jane Monheit etwa, die diese Woche in Basel und
Zürich gastierte, lässt sich zwar Abend für Abend von ihrem
Gatten am Schlagzeug begleiten. Doch ausser die Felle streicheln und die
Becken kitzeln darf er nichts. Während sich der Rest der Band mit
ausufernden Saxophon- und Klaviereinlagen in Szene setzt, hält die
dominante Leaderin ihren Rick Montalbano an der kurzen Leine: kein Solo!
Er hätte der gefeierten Gattin ja einen Applaus stehlen können.
Schlimmer noch als unter verheirateten amerikanischen Jazzmusikern
geht es nur unter konkubinierenden Schweizer Theaterleuten zu und her.
Was die Männedörfler Schauspielerin Meret Hottinger in ihrer
hoffnungsvollen Karriere bisher über sich ergehen lassen musste,
grenzt an Verschandelung. Jung und schön wie sie ist, hatte sie das
Pech, in einen Regisseur verliebt zu sein, der sie am liebsten in Lumpen
hüllt und mit grauer Farbe bestreicht. Was nützt ihr da die
Hauptrolle der Medea, wenn sie aussieht wie ein Waldschrat? Was hilft
es, wenn ihr Freund mit der Inszenierung der 1.-August-Feier bedacht wird,
sie jedoch - vor versammeltem Schweizer Fernsehvolk - als haariger Affe
auf treten muss?
Umso süsser nun die Rache der Schauspielerin und Tänzerin
an Samuel Schwarz, dem Vater ihres Kindes: Im Theaterhaus Gessnerallee
inszeniert sie sich selber und nutzt die Gelegenheit voll aus: Zusammen
mit ihrer 400asa-Leidensgenossin Barbara Maurer, deren Talent bisher ebenfalls
unter hässlichen Kostümen verborgen geblieben war, nutzt sie
die Plattform des Festivals Hope & Glory für ein Comingout als
Supermodel. Unverschämt posiert sie in Latex, stolziert im Pelzmantel
über den Laufsteg und zeigt ihre langen Beine. Und weil das natürlich
nur eine Parodie - und da rüber hinaus noch viel mehr ist - entsteht
so ganz nebenbei auch unverschämt unterhaltsames Theater.
So erweist sich die Kraft der Lie be einmal mehr als Triebfeder der
Kunst. Wenn sie auch nur darin besteht, dass ein Affe endlich einmal die
Sau rauslässt.
Christian Hubschmid über Diskriminierung unter Künstlerpärchen
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